
Digitalkünstler, Soundbastler und Experimentalisten aus ganz Europa, Kanada und sogar aus Island machen sich dieser Tage auf gen Augsburg. Neben
Brecht,
Fuggerei, der
Puppenkiste und dem
Christkindlesmarkt hat die "
Popcity" nämlich eins der virilsten Medienkunst-Festivals Deutschlands zu bieten: das
lab30. In der Szene hat sich längst herumgesprochen, dass sich das lab30 im
Kulturhaus abraxas inzwischen zu der Plattform für kontemporäre Medienkunst schlechthin gemausert hat. Und ab Donnerstag, 25. Oktober, wird wieder hemmungslos experimentiert im Augsburger Medienlabor - drei Nächte lang.
Zum sechsten Mal geht das
lab30 über die Bühnen und es ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine feste Größe in der in Bayern nicht gerade üppigen Festivallandschaft für Elektro- und Medienkunst - ein ganz klares Highlight im Augsburger Kulturkalender . . .. Thema 007: Low tech in abstract art. Und dieses Motto ist Programm. Im Zentrum steht dieses Mal vor allem die kreative Auseinandersetzung mit low-tech-Equipment von gestern, das gerade von vielen Künstlern wieder neu entdeckt wird. Erstaunlich viele Installationen und "Robots" werden heuer mit Overhead-Projektoren, Radios und analogen Werkstoffen in der digitalen Kunstwelt von morgen platziert.

Und es ist ein knallbuntes
Programm geboten. 100 Einreichungen aus aller Welt waren heuer im
Kulturbüro eingegangen. Nicht wenige der Klang- und Medienkünstler waren vorab schon bei der
Transmediale in Berlin, der
Ars Electronica in Linz oder dem
Sonar Festival in Barcelona dabei. Das Kuratoren-Team mit Projektleiterin Elke Seidel (Kulturbüro Augsburg),
Professor Robert Rose,
Hans-Christian Grimm,
Peter Bommas und "Soundscout" Manfred Genther wählte über 40 Installationen, Klangexperimente und Visuals aus, die in drei dicht gepackten Festivaltagen betrachtet, bespielt oder auch live on stage erlebt werden können.

Darunter sind sowohl ambitionierte neue Arbeiten so bekannter Soundkünstler wie
Philipp Jeck aus UK, der Künstlergruppe
Artificiel aus Kanada,
Jeff Mann aus USA, oder
Akku aus der Schweiz, als auch Projekte junger Medienkünstler aus Köln (
Tina Tonagel,
Der Strudel), aus Berlin (
Jana Linke und
Mathias Fitz), aus der Schweiz (
Marion Ritzmann und
Cristoffel Gehring) oder der Gameboymusicclub aus Wien. Und natürlich sind auch ausgewählte "local heroes" vom Studiengang Multimedia der FH sowie Computeranimateure der Uni Augsburg und fest etablierte Künstler wie
Stefanie Sixt dabei. Die renommierte Augsburger Filmemacherin hatte 2006 zahlreiche Preise für ihren sechsminütigen Animationsfilm "
1777- Wolfgang Amadeus Mozart zu Besuch in Augsburg" abgeräumt; unter anderem den renommierten ITVA-Award in Silber. Beim lab30 wird erstmals ihr neuestes Werk "Die Terror-Tomate oder: Wer oder Was terroriGiert die Welt?" gezeigt.

Interaktive Installationen sind beim diesjährigen lab30 sehr oft mit der Erzeugung von Klang und Musik verknüpft, vom Gameboy- oder MagicCube-Konzert bis zu Trainingsgeräten für einen Komponisten-Workout. Und am Ende eines jeden Festivaltages geht's zu vorgerückter Stunde nahtlos in den Lab Club im
Nordflügel des Kulturhaus' "abraxas": Elektronische Websounds, handgespielte Songstrukturen, ausgeklügelte Soundscapes und digital animierte Tracks zwischen DJing, Computer-Live-Performance und analogem Showcase stehen im Zentrum der Clubnächte. Die heimlichen oder schon auf anderen Festivals von Berlin bis Barcelona gefeierten Stars der Elektroszene wie
Svarte Greiner (Norwegen),
Kettel & Secede (Niederlande),
Yagya (Island),
Yimino & Macc (England),
Kilowatts & Vanek (USA/Belgien) sowie
Mikkel Metal (Dänemark) und
Tilliander (Schweden) geben hier bis in die frühen Morgenstunden (!) ihre abgefahrensten Soundkreationen zum besten.
Also nichts wie hin ins Medienlabor; ab Donnerstag täglich ab 20 Uhr. Eintritt: sieben Euro. Das Drei-Tages-Ticket gibt's für läppische 17 Euro.
Orantes - 22. Okt, 09:47